Die Digitalisierung wird den Arbeitsmarkt schon in den nächsten fünf bis zehn Jahren massiv verändern. Das wird auch und gerade im Kreis Borken tiefe Spuren hinterlassen. Daran ließen weder Johann Meiners, der Chef der Arbeitsagentur in Coesfeld, noch sein Stellvertreter Rolf Heiber die geringsten Zweifel. Beide waren auf Einladung der SPD-Kreistagsfraktion am Dienstagnachmittag zu einer Informations- und Diskussionsrunde mit der Fraktion in das Hotel Tenbrock gekommen.

Der ARGE-Chef und die SPD-Fraktion sind alte Bekannte: Man hat sich bereits vor Jahresfrist zu einem Gedankenaustausch getroffen - damals in Coesfeld - und wird sich auch künftig wohl noch häufiger sehen. Meiners: "Wir werden wieder zusammenkommen. Der Kontakt zu Ihnen ist uns sehr wichtig."

Digitalisierung der Arbeitswelt - ein Thema, dass auch in der Arbeitsvermittlung zum zentralen Thema geworden ist, wie beide Fachleute betonen: "Sie findet schon seit Jahren statt. Wir stellen uns die Fragen ‚Was passiert in den Unternehmen und was macht das mit den Menschen?' Und wie können wir als ARGE diese Veränderungen begleiten?"

Es gäbe Horrorszenarien, so Rolf Heiber, die den Verlust vieler Arbeitsplätze durch Digitalisierung und Automatisierung voraussagen. Der Fachbegriff dafür heißt Substitutionsanteil: Arbeitsplätze, die durch Digitalisierung ersetzt werden könnten. Und dieser Anteil sei im Kreis Borken im Bereich der Helfer-Jobs und bei den Facharbeitern noch höher als der NRW- und Bundesdurchschnitt. Gründe dafür liegen in der Struktur des Arbeitsmarktes im Kreis: die hohe Anzahl von kleinen und mittelständischen Betrieben im Produktions- und Verarbeitungssektor.

"Und darauf müssen die Arbeitnehmer jetzt schon reagieren", betonte Johann Meiners, "Lebenslanges Lernen und ständige Fortbildung werden immer wichtiger." Menschen, die sich hier weigern, würden in Zukunft erhebliche Probleme bekommen - oder sie bereits haben, so der Fachmann der Arbeitsagentur: "Die Stellen werden nicht weniger, aber sie werden sich erheblich verändern."

In der Folge entspann sich eine lebhafte Diskussion vor allem über die alltäglichen Probleme und Situationen, die daraus folgten, besonders für Schüler, Schulabsolventen und Berufsanfänger. Man kam zu der Einsicht, dass es in naher Zukunft ein integriertes Lernsystem vom Kindergarten bis zum (Ausbildungs-)betrieb geben werde - ob die Gesellschaft das wolle oder nicht.

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